Geschichte Gutshof Branitz
Der erste Branitzer Gutshof wurde Ende des 17. Jahrhunderts errichtet. Er bestand aus Wirtschaftsgebäuden, Scheunen und Ställen für Pferde, Kühe, Schweine, Schafe und Hühner und war vollständig von einer Mauer umfasst. Diesen Zustand fand Fürst Pückler nach seinem Umzug von Muskau nach Branitz 1845 vor.
Der Gutshof, von Pückler auch Gutsökonomie genannt, bildete die Voraussetzung für die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzflächen des Branitzer Außenparks. Der Entwurf der gesamten Gutsökonomie geht auf den Berliner Architekten Eduard Titz zurück, der auch am Bau der Gärtnerei beteiligt war. Nach Abriss und Umbau der Wirtschaftsgebäude des alten Gutshofes begann um 1850 der Aufbau des neuen Wirtschaftshofes an seinem heutigen Standort. Die Gebäude und Ställe der Gutsökonomie entstanden zwischen 1850 und 1858. Unter Nutzung der Scheune der ehemaligen Schäferei wurden der Schaf-, Pferde-, Kuh- und Schweinestall, weitere Scheunen, Remisen, Feimen, verschiedene Wohngebäude für die Angestellten und die Gutshofmauer errichtet. Der zum Ensemble gehörende kleine Teich, der sogenannte Ökonomiesee, wurde in den Jahren 2003/04 wiederhergestellt.
Nach dem Tod des Fürsten Pückler ging der Grundbesitz an Heinrich Graf von Pückler (1835–1897) über. Die ungünstige wirtschaftliche Situation veranlasste ihn, landwirtschaftliche Nutzflächen und den Gutshof zu verpachten. Dazu musste Graf Heinrich den Gutshof umgestalten, um den Anforderungen der modernen Landwirtschaft gerecht werden zu können. Daher wurden die Scheunenkapazitäten erweitert und die Stallungen um- und ausgebaut. Die Verpachtung des Gutshofes führte bald zur Vernachlässigung des landschaftlich gestalteten Erscheinungsbildes des Gutshofes.
Im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges wurde die Familie von Pückler enteignet und aus ihrer Heimat vertrieben. Im Zuge der Bodenreform 1945 kam es zur Aufsiedlung des Gutes Branitz. Neubauern und landarme Bauern erhielten Felder und Wiesen. Um ihnen Wohn- und Wirtschaftsräume zu Verfügung stellen zu können, wurden Scheunen und Ställe geteilt und später teilweise baulich überformt.
Mit der Gründung von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) Ende der fünfziger/Anfang der sechziger Jahren begann die genossenschaftliche Nutzung der Gebäude und Stallungen, die bis 1990 andauerte. Ein Teil des Gutshauses wurde bis 1993 für Wohnzecke genutzt. Bedingt durch die Nutzungsart, die lange Nutzungsdauer, die unzureichende Pflege und Wartung befanden sich die Gebäude in einem schlechten baulichen Zustand, der sich durch die Nichtnutzung der Objekte ab 1994 zunehmend zuspitzte. Es drohte der vollständige Verfall wichtiger Gebäude und Anlagen des Gutshofes.
2001 erwarb die Stadt Cottbus mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland für die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz wichtige Liegenschaften des Gutshofes. Zur künftigen Nutzung des Gutshofes wurde ein Ideenwettbewerb, in dessen Mittelpunkt die Schaffung eines Besucherempfangsbereiches steht, durchgeführt. Im Ergebnis stellten die Europäische Union, die Bundesrepublik Deutschland, das Land Brandenburg und die Stadt Cottbus die erforderlichen Mittel für die Restaurierung und Wiederherstellung wesentlicher Flächen und Gebäude des Gutshofes zur Verfügung. Die Sanierung des Gutshauses, die Wiederherstellung der ehemaligen Stallungen und deren Ausbau zum Besucherempfangsbereich begannen im Jahre 2002. Ab 2003 wurde mit der Wiederherstellung des ehemaligen Gutsökonomiesees, der Gestaltung der Außenanlagen und der Anbindung des Gutshofes an den Besucherparkplatz begonnen. Seit 2005 ist das Gutshaus der Sitz der Verwaltung der Stiftung. Am 7. Juli 2006 wurde das Besucherzentrum mit einer Ausstellung über Leben und Werk des Fürsten Pückler zur öffentlichen Nutzung feierlich übergeben. Bis 2007 erfolgte der Abriss von Gebäuden auf dem Gutshof, die das Denkmal beeinträchtigen. Die Wiederherstellung der Gutshofmauer mit den beiden Zugangstoren bildete den Abschluss der geplanten Gutshof-Gestaltungsmaßnahmen.
Text: Volkmar Herold / Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz
Bild: Gutshof mit Feimen (hist. Foto: Carl Metzner, um 1890, Stiftung FPM)
